#1, Alltag
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Rosenkohl – damals und heute

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Rosenkohl polarisiert. Ich dachte lange, ich wäre mir sicher, auf welcher Seite ich stehe. Doch dann kam alles anders.

Im Zeitmagazin las ich neulich ein Zitat der Autorin Elisabeth Raether über ein Gemüse, dass die Geister spaltet: Rosenkohl.

„Dem gebratenen Rosenkohl begegnet man jetzt schon auf der Lunchkarte in der Cafeteria im Museum of Modern Art in New York. Ich persönlich freue mich, dass das Gemüse nun auf diese Art die Anerkennung bekommt, die es verdient. Ich möchte nur festhalten, dass ich den Rosenkohl schon geliebt habe, als er zerkocht neben einem trockenen Stück Fleisch auf meinem Teller lag. Für mich muss er nicht so tun, als wär er etwas Besseres, aber ich akzeptiere, dass er offenbar nach etwas Höherem strebt.“

Ich persönlich habe Rosenkohl ja von Herzen verachtet und musste dennoch 15 Jahre lang immer mindestens drei Stück essen bei meinen Eltern. Der Rosenkohl war aber nicht verkocht, sondern bitterknackighart und mit Kümmel angemacht. Als ich dann im Erwachsenenalter einmal bei einem Italiener Rosenkohl mit Semmelbröseln aufgetischt bekam, weich wie Butter, wurde mir klar, dass ich das Gemüse fast zwei Jahrzehnt zu unrecht ablehnte und ich die kleinen Klöpse ausgesprochen gerne esse.

Just rief ich meine Mutter an, um ihr die frohe Kunde mitzuteilen: „Hey Mama, ich mag Rosenkohl gar nicht nicht, ich mag nur DEINEN Rosenkohl nicht!“ Kaum ausgesprochen, wurde mir klar, dass das vielleicht doch nicht so gut ankommen würde. Meine Mutter wollte das nicht auf sich sitzen lassen. „Ja, der Geschmack verändert sich auch mit den Jahren. Wenn du das nächste Mal zu Besuch kommst, dann gibt es Rosenkohl! Der wird dir schmecken!“, sagte sie.

Und irgendwann war es dann soweit. Ich kam zu Besuch.

Es gab Rosenkohl.

DEN Rosenkohl – bitterknackighart und mit Kümmel gekocht.

Ich mochte ihn nicht.

Drei Stück musste ich aber trotzdem essen…

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